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Donnerstag, 24.04.2014 22:25 Alter: 4 Jahre

Exkursion nach Auschwitz


Zeitreise in die dunkle Vergangenheit Deutschlands

 

Eine Exkursion, die Spuren hinterlässt

 

Am 28. März dieses Jahres traten Schüler und Schülerinnen des Gymnasium am Stefansberg ihre Reise nach Polen an. Sinn und Zweck dieser Exkursion war die Besichtigung der Gedenktstätte in Auschwitz.  

31. März, halb acht morgens. Voll besetzt mit rund 74 Personen rollte der Bus von Krakau Richtung Auschwitz. Schüler von zwei Geschichtskursen des Gymnasium am Stefansberg und Schüler unserer Partnerschule in Arnstadt, plus Lehrer, plus Begleitpersonen füllten den Bus mit ihren Erwartungen. Die Stimmung war gedämpft und jeder malte sich aus, was uns wohl dort erwartete.

Mit Verspätung kamen wir am Stammlager an. Dort hätte um neun Uhr eine Führung starten sollen, doch die Anmeldung und Gruppenbildung dauerte länger als geplant, sodass unsere zwei Gruppen erst gegen halb zehn von ihrem jeweiligem Gästeführer begrüßt wurden.

Zu Beginn gingen wir alle durch das Tor „ARBEIT MACHT FREI“, dann wurden wir durch die SHOAH- Ausstellung geführt. Wie lauschten alle gebannt der Stimme unserer Leiterin, die uns mit Informationen versorgte. Betrübt waren wir jetzt schon, doch das Stammlager hat noch mehr Grausamkeiten zu bieten: In einer Baracke sind Überbleibsel der Gefangenen ausgestellt, wie zum Beispiel Haare, Schuhe, Prothesen und vieles mehr. Hinter Glas türmen sich die Schuhe bis zur Decke, Haare von Tausenden von Menschen liegen teilweise zu Filz geballt meterhoch auf dem Boden. Die einen schluckten schwer, andere schüttelten fassungslos den Kopf.

Nach der Führung ließ man uns eine Stunde Zeit ein Pause einzulegen. Anschließend waren zwei Workshops geplant, in denen man sich intensiv mit einem Thema des KZs auseinandersetzten konnte. Je nach Wahl: Sonderkommando, Medizinische Versuche, Kinder und SS. Diese Workshops wurden in den Baracken durchgeführt, wir fühlten uns alle sehr beklemmt.

Auf der Rückfahrt herrschte eine nachdenkliche Stimmung, die sich wie Nebel über alles legte.

01. April, sieben Uhr 20. Wir trafen uns am Bus. Aprilscherze wurden keine gemacht, denn da, wo wir hinfuhren gab es nun wirklich nichts zu lachen : Birkenau, Vernichtungslager. Diesmal pünktlich, versammelten sich die zwei Gruppen wie am Vortag um ihre Gästeführer. Zunächst verschafften wir uns einen Überblick über die Gesamtgröße des Vernichtungslagers. Wie stiegen Treppen hinauf, in einen SS-Wachturm, der über allem thronte. Die gewaltigen Ausmaße des Lagers sind unfassbar. Auf der linken Seite zerstörte Baracken, auf der rechten noch intakte Unterkünfte. Die Fläche schien unendlich zu sein.

Dann standen wir neben den Eisenbahnschiene auf der Rampe, standen auf dem Boden, auf dem Menschen selektiert wurden, stellten uns Szenarien vor, die sich abgespielt haben könnten. Wir sahen die zerstörten Krematorien, die Tümpel daneben, in die die Asche der verbrannten Gefangenen geschüttet wurde, sahen Gedenksteine und das Denkmal aus den Überresten eines Krematoriums. Man erzählte von Fluchtversuchen, Heldentaten und Liebesgeschichten. Uns wurde eine Frauenbaracke gezeigt und die „Toiletten“, die die Gefangenen benutzen mussten. Wir gingen in das Haus, in dem die Menschen ihrer Identität beraubt und zu Nummern wurden, gingen ihren Weg durch Umkleide-, Haarschneide-, Untersuchungs- und Waschraum, bis zu einem Raum, in dem private Bilder der Häftlinge ausgestellt waren. Nun konnte man der Menschenmasse Gesichter zuordnen, was es nicht leichter machte, die Nerven zu behalten. Ratlosigkeit über so viel Unvernunft und Tyrannei, Niedergeschlagenheit und auch Wut spiegelten sich in uns wider.

Diese vielen Eindrücke brachte uns die Geschichte näher, jetzt können wir uns wenigstens ein bisschen vorstellen, wie es damals war und hören nicht nur Berichte. Wir haben mit eigenen Augen die Größe und Grausamkeit dieser Orte gesehen.

Uns wurden abschließend von unseren Gästeführern zwei Fragen gestellt, mit denen wir uns immer noch beschäftigen:

Was hätten Sie getan, wären Sie ein Soldat in jener Zeit gewesen?

Hätten Sie sich widersetzt, oder auch die Befehle befolgt, um das eigene Leben zu retten?