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Mittwoch, 12.02.2014 16:51 Alter: 4 Jahre

Selbstversuch: Eine Woche ohne Smartphone


Oberstufenschüler des Gymnasiums am Stefansberg wagten den Selbstversuch

Geht das überhaupt? 20 Schüler am Gymnasium am Stefansberg in Merzig verzichteten freiwillig für eine Woche auf ihr Smartphone in der Schule. Ein Erfahrungsbericht mit Happy End: Ohne Handy geht auch?

Überall trifft man sie, ob im Kino, im Theater, in der Kneipe, im Restaurant oder eben auch in der Schule: Menschen, die ständig auf ihr Smartphone starren, obwohl sie doch eigentlich in Gesellschaft sind. Wer nicht glaubt, dass es so etwas gibt, dem sei der Youtube-Film „I forgot my phone“ empfohlen, der eindrucksvoll zeigt, auf welchem Weg unsere Gesellschaft sein könnte. Was aber ist so wichtig, dass man – umgeben von Freunden – ständig auf den kleinen Bildschirm starrt? Häufig werden Nachrichten ausgetauscht, Facebook-Seiten gelesen oder einfach nur allerlei Informationen gesammelt.

Nimmt man diesen Leuten ihr Smartphone weg, so werden sie unruhig und haben Angst, etwas zu verpassen. Längst gibt es auch einen Begriff dafür: Diese Menschen leiden an Nomophobie (Ursprung des Begriffes: „no mobile-phone phobia“) – an der Angst, ohne ihr Handy zu sein. In der Schule sind diese Nomophobiker sehr leicht zu erkennen: Kaum ertönt der Pausengong, ist das Smartphone in der Hand und es verlässt diese auch nicht mehr – egal, ob man im Klassenraum sitzen bleibt oder sich auf dem Schulgelände bewegt. Und falls dann der Akku leer ist, werden sie unruhig und zappelig und achten bei der Sitzplatzwahl darauf, ob eine Steckdose in unmittelbarer Nähe ist.

Breite Zustimmung

Ist es für diese Schüler überhaupt möglich, einen Schultag ohne ihren treuen Begleiter zu verbringen? Diese Frage stellte sich auch ein Englischkurs am Gymnasium am Stefansberg in Merzig und beschloss, im Dienste der Wissenschaft ein großes Opfer zu erbringen und im Selbstversuch eine Woche auf das Smartphone in der Schule zu verzichten. Von Anfang an war ein Großteil der Schüler von der Idee angetan - sei es, weil sie das Smartphone sowieso nicht so häufig benutzen (ja, auch diese Schüler gibt es) oder weil sie einfach wissen wollten, wie das so wäre, auf das Smartphone zu verzichten. Die wenigen Zweifler waren schnell überzeugt und so begann nach den Weihnachtsferien die „Woche der Wahrheit“.

Alles halb so schlimm

Da es sich um eine rein freiwillige Aktion handelte und den Schülern keine Nachteile entstehen sollten, wurde vereinbart, dass die Geräte vor Unterrichtsbeginn im Sekretariat abgegeben werden sollten und nach der fünften Stunde wieder abgeholt werden konnten – damit keiner den Bus verpasst.

Eine Woche später zeigte sich dann: Alles halb so schlimm. Auch wenn die ersten Tage für einige nach eigenen Aussagen furchtbar waren und zumindest zwei Teilnehmerinnen auffällig aufgedreht waren oder sich mit dem Zerschnippeln eines Radiergummis ablenken mussten, so wurde es, je länger die Aktion andauerte, immer einfacher.

„Komisches Gefühl“

Zwar berichteten viele, dass sie zunächst immer instinktiv in die Tasche gegriffen und dann im ersten Moment manchmal Angst gehabt hätten, das Smartphone sei weg. Andere Teilnehmer merkten an, es sei etwas komisch gewesen, dass die Schüler in den anderen Kursen nach wie vor ihre Smartphones dabei hatten. Aber auch hier zeigte sich: Je mehr Tage vergingen, desto einfacher wurde es.

In einer am Ende der Woche durchgeführten Umfrage gab kein Teilnehmer an, dass ihm wirklich ernsthafte Probleme bereitet worden wären. 84 Prozent erklärten gar, dass ihnen keinerlei Unannehmlichkeiten entstanden seien. Interessant auch: Immerhin 28 Prozent der Schüler sagten, dass sich ihr Gemütszustand während der Aktion sogar verbessert hat und dass – auch wenn sich 75 Prozent der Schüler gegen ein generelles Handyverbot an Schulen aussprachen – ganze 79 Prozent bereit wären, ihr Smartphone während der Schulzeit gegen ein nicht ganz so smartes, älteres Handy einzutauschen, mit dem man im Notfall telefonieren könnte.

Aktion soll ausgeweitet werden

Ein weiterer positiver Aspekt: Eigentlich alle Schüler waren der Meinung waren, dass der Verzicht aufs Smartphone im Verlauf der Woche immer leichter fiel und dass diese fünf Tage für eine eventuelle Verhaltensänderung zu kurz gewesen seien. So wurde in einer abschließenden Gesprächsrunde vereinbart, dass die Aktion wiederholt wird - diesmal einen ganzen Monat lang - und dass sie wenn möglich auf die ganze Oberstufe ausgeweitet werden soll. Die Schüler des Englischkurses der Klassenstufe 11 und ihr Lehrer Jens Harder sind sich einig: Das Smartphone ist eine Erfindung, die das Leben erleichtert und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Aber wie so oft gilt es, das richtige Maß zu finden. Und die Schüler am Gymnasium am Stefansberg haben allen Nomophobikern bewiesen: Es geht auch ohne!