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Sonntag, 29.06.2014 12:52 Alter: 3 Jahre

Frankreich-Tag am Stefansberg


Der Zufall wollte, dass am vergangenen Mittwoch am gleichen Tag für die Schüler des Gymnasiums am Stefansberg (GaS) gleich zwei Veranstaltungen stattfanden, bei denen unser Nachbarland im Vordergrund stand: Für etwa 100 Schüler aus der Unterstufe stand ein Besuch der „correspondants“ aus Thionville auf dem Programm und etwa 20 Schüler des E-Kurses Französisch der Klassenstufe 11  waren eingeladen, an einer Gedenkfeier zum Beginn des Ersten Weltkrieges in Verdun teilzunehmen.

Für die Unterstufe: Besuch aus Thionville

Seit fast 30 Jahren pflegt das Stefansberg-Gymnasium eine Partnerschaft mit dem Lycée Charlemagne in Thionville und gegenseitige Besuche von Schülern und Lehrern gehören dabei zum festen Programm. In diesem Jahr  war es fast schon ein Großprojekt, das für die Klassenstufen 6 und 7 des Gymnasiums am Stefansberg stattgefunden hat. Über hundert Schüler haben einen französischen Austauschpartner aus ihrer Partnerschule, dem Collège Charlemagne in Thionville aufgenommen, ein Projekt, das sich gelohnt hat. Schon am Morgen wurde bei Wanderungen und Stadtrallye eifrig in Gruppen kommuniziert und die Freude war groß, als man feststellte, dass die in knapp einem bzw. zwei Jahren erworbenen Sprachkenntnisse schon erste Erfolge brachten.

Am Nachmittag übernahmen die Schüler zusammen mit ihren Eltern die Programmgestaltung, so dass die ersten Kontakte, die am Morgen im Rahmen der Gruppen entstanden waren, noch enger geknüpft werden konnten. Ein besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang den Eltern, ohne deren persönliches Engagement eine solche Veranstaltung kaum möglich wäre.

Die französischen Schüler waren nach anfänglicher Unsicherheit begeistert, denn bei schönem Wetter hatten sie die Möglichkeit, Tretboot zu fahren, die Saarschleife kennen zu lernen, die Stadt Merzig zu erkunden und sich danach im Stadtpark an der Fontäne zu erfrischen oder auch zu sehen, wie ihr deutscher Freund oder ihre deutsche Freundin wohnt.

 „Wir hatten viel Spaß und haben tolle Erfahrungen gesammelt. Wir redeten meistens französisch miteinander, doch wenn es mal nicht klappte, halfen wir uns mit Zeichensprache und Englisch aus, “ erzählen Johanna und Jule aus der Klasse 7d. Christoph und Thomas spielten nach dem Essen mit ihrem „correspondant“ Computer- und Brettspiele. Aber die Zeit verging viel zu schnell. „Auch wenn wir uns nicht so gut verständigen konnten, hat es viel Spaß gemacht.“ Anna aus der Klasse 6b hatte Glück im Unglück: Ihre Austauschpartnerin konnte nicht kommen, dafür wurde ihr ein anderes Mädchen vorgestellt. Beide verstanden sich sofort, und Anna erfuhr, dass Alexandra aus Thionville in China geboren wurde, dort drei Jahre lebte, bevor sie dann mit ihren Eltern nach Thailand umzog.  Nun wohnt sie seit drei Jahren in Frankreich. Dadurch spricht Alexandra fließend Englisch, sodass die beiden Mädchen keine Probleme hatten, sich in drei Sprachen zu unterhalten. Jonas hat ebenfalls mehr französisch gesprochen als umgekehrt sein Partner deutsch, aber es hat ihm auch Spaß gemacht. „Ich habe jetzt ein ganz anderes Bild von Franzosen und freue mich auf Frankreich“.

Vor allem die Mädchen haben E-Mail- und Skype-Adressen sowie ihre Telefonnummern ausgetauscht. Der Abschied viel einigen schon nach diesem kurzen Tag schwer und daher ist die Freude groß, dass wir in zwei Wochen zum Gegenbesuch nach Thionville fahren.

Für die Oberstufe: Gedenkfeier in Verdun

Eine ganz andere Veranstaltung, die aber ebenfalls in den Kontext der deutsch-französischen Nachbarschaft und Freundschaft gehört, konnten die Schülerinnen und Schüler des E-Kurses von Französischlehrerin Stephanie Ascher erleben. Sie verbrachten den Tag in Verdun: Vor genau 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus, und kaum ein Ort steht sinnbildlich so deutlich wie Verdun für das massenhafte Sterben und das Grauen des Krieges und damit auch für dieses dunkle Kapitel der deutsch-französischen Beziehungen.

Die GaS-Schülerinnen und Schüler besuchten am Vormittag zunächst das berühmte Beinhaus (Ossuaire) von Douaumont, wo die Knochen von Hunderttausenden gefallener Soldaten ruhen. Ein sehr beeindruckender Film zeigte  eindringlich den Alltag der Schlacht von Verdun, die ganze neun Monate dauerte,  aus der Perspektive der Soldaten. Unzählige Gedenktafeln und ein riesiger Soldatenfriedhof, den man sogar vom Turm des Gebäudes aus kaum überblicken konnte, machten den ungeheuren Schrecken des Krieges spürbar.

Am Nachmittag nahmen die Schüler des Stefansberggymnasiums gemeinsam mit Schülern mehrerer anderer saarländischer Schulen sowieBildungsminister Commerçonan einer deutsch-französischen  Gedenkfeier zum Ersten Weltkrieg im „CentreMondial de la Paix“ in Verdun teil.

Dort trafen sich ca. 700 deutsche und französische Schüler, um der Opfer des Ersten Weltkrieges zu gedenken.  In Verdun konnten die Oberstufenschüler, deren Altersgenossen vor 100 Jahren aufeinander schossen, heute in friedlicher Art und Weise die Gedenkzeremonie gemeinsam gestaltenund sich kennen lernen…

Fazit: Ein Schultag ganz unter dem Eindruck der deutsch-französischen Freundschaft

Dieser Tag konnte den GaS Schülern eindrucksvoll verdeutlichen, dass die Zusammenarbeit und die Freundschaft über die Grenzen hinweg – im krassen Gegensatz zu Feindschaft und Hass vor 100 Jahren  - selbstverständlicher Alltag geworden ist.

Die Fotos zeigen die deutschen und französischen Schüler der Unterstufe auf dem Schulhof bzw. bei der Stadtrallye. Das Foto „Verdun“ zeigt die Schüler des E-Kurses Französisch vor dem Beinhaus der Gedenkstätte.