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Samstag, 05.07.2014 15:33 Alter: 3 Jahre

Synagogenbesuch


Anknüpfend an das Thema „Judentum“ im Religionunterricht unternahmen insgesamt 143 Fünft-und Sechstklässler sowie  sechs Begleitpersonen des Gymnasium am Stefansberg eine Exkursion zur Saarbrücker Synagogengemeinde.

Der Besuch in der Synagoge wurde von Kantor  Benjamin Chait geleitet. Er erklärte zunächst die Besonderheiten des Versammlungsraums und hob dann eine der kostbaren Thorarollen aus dem Schrein, damit die Kinder sie auf dem Lesepult betrachten konnten.
Lebenspraktische Fragen interessierten die Kinder in der anschließenden Fragerunde am meisten, so zum Beispiel die Frage, was alles unter die am Sabbat untersagte „Arbeit“ fällt. „Früher durfte man am Sabbat kein Feuer machen, weil das damals schwere Arbeit bedeutete. Heute vermeidet man es, Elektrizität zu benutzen“, erklärte der Kantor. „Oje, dann heißt das wohl: samstags kein Fernsehen und keine Computerspiele!“, schlussfolgerten die Kinder und lagen mit ihrer Vermutung richtig. Erschreckend war besonders die Vorstellung, dass man einen ganzen Tag in der Woche kein Handy benutzen sollte.
Spannend fanden die Fünftklässer auch die jüdischen Speisevorschriften. Sorgen machte ihnen dort vor allem das Gebot, Milch- und Fleischspeisen voneinander getrennt zu verzehren: „Auf jede Pizza muss ja Käse. Wenn aber Käse drauf ist, dann darf keine Salami mehr dazu. Und Cheeseburger gehen auch nicht!“
Da die Jungen beim Betreten des Synagogenraums eine Kopfbedeckung aufsetzen sollten, war auch das eine naheliegende Frage: „Wieso tragen die jüdischen Männer eine Kippa?“ „Männer halten sich oft für die Größten, Besten und Coolsten“, führte der Experte aus, „die Kippa erinnert uns daran, dass da immer noch einer über uns ist und wir uns nicht so wichtig nehmen sollen.“ „Und warum tragen die Frauen dann keine Kopfbedeckung?“, wollten die Jungen wissen. Mit der Antwort gewann der junge Kantor endgültig die Herzen seiner weiblichen Zuhörerschaft: „Tja“, seufzte er, „Frauen muss man nicht erinnern, die sind halt klüger…“
Dass ein einziger Fehler eine Thorarolle unbrauchbar machen kann, dass 613 Ge- und Verbote das Leben gläubiger Juden bestimmen, dass alte Thorarollen nicht im Internet verkauft, sondern beerdigt werden, dass hebräische Gebetbücher auf der „letzten Seite“ beginnen, dass Dinge dann „koscher“ sind, wenn sie nach den jüdischen Geboten erlaubt und benutzbar sind – viele kleine Details erfuhren die Mädchen und Jungen und konnten so ihr Wissen aus dem Unterricht durch Anschauung vertiefen.