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Donnerstag, 02.06.2016 08:48 Alter: 1 Jahre

Organspende wird am GaS zum Thema


„Als ein ehemaliger Schüler bei der Schulleitung nachgefragt hat, ob bei uns Interesse an einem Vortrag über Organspende bestehe, mussten wir nicht lange überlegen“, erzählt Mechthild Lux, Biologielehrerin am Merziger Gymnasium am Stefansberg, „Schließlich steht das Thema Organspende in Klasse 9 ohnehin auf dem Lehrplan.“ Schnell wurde der Kontakt zu Initiator Philipp Helmer, der vor fünf Jahren am GaS Abitur gemacht hatte und inzwischen Medizin studiert, intensiviert und ein Vortragstermin vereinbart. Teilnehmen durften alle Neuntklässler. Und die rund 125 Mädchen und Jungs lauschten außerordentlich aufmerksam dem Erfahrungsbericht des ehemaligen Schülers. Helmer begleitet als Perfusionist Organtransporte vom Spender bis zum Empfänger, managt den Transport und assistiert auch bei den Transplantationen. „Herr Helmer hat erzählt, dass solche Transporte meistens nachts stattfinden, da sie dann nicht durch den Verkehr gestört werden und auch ansonsten den normalen OP-Alltag nicht behindern“, zeigt sich Schülerin Jana Bornmann aus der Klasse 9c hochinteressiert und ergänzt: „Und wir haben gelernt, dass die Organe je nach Haltbarkeit mit dem Flugzeug oder dem Auto zum Empfänger transportiert werden, Herz und Lunge meistens mit dem Flugzeug, Nieren eher mit dem Auto.“ Neben Philipp Helmer war auch Anne-Bärbel Blaes-Eise als Referentin am GaS zu Gast. Sie arbeitet als Koordinatorin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) und betreut im Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz die Angehörigen von Organspendern. Bei ihrem Besuch in Merzig versuchte sie zunächst, die Schüler für die Problematik zu sensibilisieren und den Mangel an Organspendern am Beispiel eines jungen Mannes namens Michael, der seit acht Jahren auf eine Spenderniere wartet, deutlich zu machen. Anschließend wurden die Jugendlichen über den Ablauf und die Möglichkeiten der Organspende aufgeklärt und Vorurteile aus dem Weg geräumt. „Wir haben erfahren, dass man ab dem 16. Lebensjahr einen Organspendeausweis ausfüllen kann“, erinnert sich Jana Bornmann und Klassenkameradin Anne-Sophie Walger ergänzt: „Für mich war wichtig zu erfahren, dass erst nach Feststellung des Hirntods der Organspendeausweis überhaupt eine Rolle spielt.“ Der Hirntod muss von zwei Ärzten durch eine intensive Untersuchung bestätigt werden, ehe ein Mensch als Organspender in Frage kommt und die Transplantationen eingeleitet werden. Dass solche Organspenden viele Leben retten könnten, veranschaulichte zum Abschluss der Veranstaltung der Besuch des Ehepaars Hollinger. Karl Heinz Hollinger bekam vor 23 Jahren eine neue Leber und konnte so dem Tod entkommen. „Es stand damals sehr schlecht um mich und ich hatte mich schon von meiner Familie verabschiedet“, erzählt er und ist nach wie vor dankbar, dass durch eine Organspende sein Leben gerettet werden konnte: „Heute geht es mir gut und ich spüre keinen Unterschied zu früher. Das neue Organ fühlt sich gar nicht fremd an, sondern wie mein eigenes.“ Seine Ehefrau Ingrid ereilte fast zeitgleich ein ähnliches Schicksal, ihr wurde eine neue Niere gespendet. Die Schilderungen des Ehepaares beeindruckten die Schüler sehr, so auch Niklas Rach aus der Klasse 9c: „Ich fand es gut, dass die beiden älteren Leute so locker über ihre Organtransplantationen und ihre Erfahrungen berichtet haben.“ „Auch insgesamt waren die Rückmeldungen über den ganzen Vortrag durchweg sehr positiv“, war auch Biologielehrerin Mechthild Lux mit der Veranstaltung zufrieden – sogar so zufrieden, dass es aufgrund des großen Schülerinteresses am 8. Juli eine Neuauflage geben wird. Dann werden auch die Zehntklässler am Gymnasium am Stefansberg in einem weiteren Vortrag ausführlich über das Thema Organspende informiert.

Auf dem Foto von links:

Anne-Bärbel Blaes-Eise (Deutsche Stiftung Organtransplantation), Karl-Heinz und Ingrid Hollinger (Organempfänger), Philipp Helmer (Ehemaliger GaS-Schüler und Referent), Mechthild Lux (Biologielehrerin)